Ahnenforschung - Genealogy

Einwanderung in das Banat 1763-1787

1. Werber der Kaiser werden in die Lande gesandt
2. Neue Siedler werden mit Vergünstigungen gelockt
3. Mit "Ulmer Schachteln" geht es nach Wien
4. Ankunft und Verteilung auf die Dörfer - Einquartierung
5. Krankheiten  -   Pest, Cholera, Sumpffieber
6. Banater Schwaben   -   Die Kulturen der Herkunftsländer vermischen sich
7. Aufteilung des Banat   -  Ende der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn

 

1. Durch den siegreichen Ausgang des Türkenkrieges wurde das Banat 1718 zur Kaiserlichen Kron-Domäne von Österreich. Die 164-jährige Türkenherrschaft hinterließ ihre Spuren. Durch die Pest war das Land fast menschleer, verwüstet und versumpft. So schickte die Wiener Hofkammer Werber in den Elsass, nach Lothringen, Saarland, Luxembourg, Pfalz, Rhein- und Mainfranken, Schwaben, Bayern, Böhmen und Thüringen und in den Schwarzwald, um katholische Kolonisten für das Banat anzuwerben.
 

2. Um ihnen die Umsiedelung schmackhaft zu machen, wurden ihnen Vergünstigen zugesprochen: Reisegeld, Hausgrund und Ackerland, Holz für den Hausbau, Haus- und landwirtschaftliche Geräte, Haustiere sowie Steuervergünstigungen. So siedelten von 1692 bis 1786 ca. 150.000 Menschen aus diesen Gebieten in das Banat, und zwar mit den so genannten "Drei Schwabenzügen". Da die ersten Ankömmlinge im Banat wirkliche Schwaben waren, wurden im Sprachgebrauch alle neuen Kolonisten als Schwaben bezeichnet. So entstand die Bezeichnung "Banater Schwaben", die heute noch aktuell ist.

3. Die zukünftigen Siedler sammelten sich in Ulm und fuhren mit ihrem wenigen Hab und Gut über die Donau abwärts nach Wien mit den "Ulmer Schachteln" oder "Schwabenzillen". Das waren flache, eher kahnartige Schiffe mit Aufbauten, die nur für diesen Transport gebaut wurden. Bei der Ankunft im Banat, ca. 1 Woche später, wurden sie zerlegt und das Holz wurde für den späteren Hausbau genutzt.

4. Noch vor Erreichen des Banats musste sich jeder Siedler in Wien registrieren lassen. Man kann die Einträge heute noch in den "Wiener Auswanderungslisten" finden.  -  Dann ging es weiter nach Temesvar, wo Beamte der Wiener Hofkammer die Neuankömmlinge auf die Dörfer verteilten. Aber nicht immer hatten diese sofort eine Unterkunft. Sie wurden dann bei den schon ansässigen Hausbesitzern einquartiert. Die Hausbesitzer bekamen von der Wiener Hofkammer einen Kreuzer pro Siedler/Nacht als Entschädigung, bis diese selbst eine neue Bleibe gefunden hatten. Es entstanden die "Schlafkreuzerrechnungen". Diese sind, genau wie die "Wiener Auswanderungslisten", heute wertvolle Forscherquellen.

5. Die ersten Kolonisten hatten es am Anfang nicht leicht in ihrer neuen Heimat. In den Sümpfen lauerte das Sumpffieber und die Cholera. Auch die Pest, eingeschleppt durch die Heere, ließ in den ersten Jahren die Sterblichkeitsrate ansteigen. Fast jeder Dritte starb an diesen Krankheiten. Besonders auffallend ist die hohe Kindersterblichkeit.

6. Trotzdem gaben die "Banater Schwaben" nicht auf. Es entstand ein neuer Stamm. Die Mundarten, das Brauchtum sowie die Küche der neuen Siedler vermischten sich im Laufe der Zeit. Alles wurde ein Querschnitt der Herkunftsländer der einstigen Siedler. Mit der Zeit machten sie mit ihrem Fleiß und ihrer Beharrlichkeit aus der Sumpf- und Moorlandschaft eine der Kornkammern Europas. Es gab viele Rückschläge, Krankheiten, Hunger und Not seit dem ersten Schwabenzug in das Banat. Erst die dritte Generation konnte aufatmen, wie es aus einer Redensart des 18. Jahrhunderts der Kolonisten hervorgeht: Den Ersten der Tod - den Zweiten die Not - den Dritten das Brot

7. Die ganze Geschichte des Banat passt natürlich nicht in diesen kleinen Absatz. Das Banat gehörte bis 1920 zur Doppelmonarchie Österreich-Ungarn. Ab 1920 wurde das Banat aufgeteilt unter Rumänien, Ungarn und Serbien. Deshalb hatten meine Vorfahren im Laufe der Generationen verschiedenen Staatsangehörigkeiten, obwohl sie teilweise immer in den gleichen Orten lebten.